Ich, du, wir - Erzählungen aus dem Leben

Projekte in Kooperation mit dem Caritasverband Meißen zum künstlerisch-biografischen Ausdruck und Erleben

In den Jahren 2020 und 2021 unterstützte die LID über die der GKV-Gemeinschafts-förderung nach § 20 h SGB V mehrere Projekte, die sich im Feld kultureller Teilhabe mit biografisch-künstlerischem Ausdruck und Erleben befassten und gemeinsam mit dem Caritasverband für das Dekanat Meißen e.V. umgesetzt wurden. Geleitet wurden die Projekte von Frau Gutschow vom Caritasverband sowie der Medienkünstlerin Sophie Stephan.

Unter dem Titel: Ich, du, wir - Erzählungen aus dem Leben fanden im September 2020 Workshops im Seniorenhaus am Südhang gGmbH in Technitz statt. Ziele waren dabei, die Teilhabe am gesellschaftlich-kulturellen Leben von Menschen mit Demenz zu steigern und Lebensqualität durch einen biografisch-künstlerischen Austausch zu verbessern.

Dies erfolgte in den Workshops mit der Einbeziehung individuell bedeutungsvoller Gegenstände, die die Teilnehmenden mitbrachten. Diese Gegenstände wurden in der Runde vorgestellt, regten zum Gespräch und Austausch an und bildeten Türöffner für Erinnerungen und Lebenserfahrungen. Fotos der Gegenstände wurden dann im Zusammenwirken mit anderen Materialien zu individuellen „Steckbriefen“ erarbeitet.

Diese Steckbriefe wurden im Anschluss im Seniorenhaus in Technitz präsentiert.

Für das Jahr 2021 war geplant, sie zudem in die Ausstellung „ALTER!? eine Mitmachausstellung für ALLE“ in der Kleinen Galerie in Döbeln zu integrieren. Diese Ausstellung beschäftigt sich mit Fragen rund um das Thema Alter(n). Dabei sollte eine Form gefunden werden, in der sich Kunst und Gerontologie vereinen und Raum für eigene Ideen zu den Themen Alter(n) und Inklusion geschaffen werden. Geplant war, dass sich über die gesamte Ausstellungszeit Interessierte durch Besuche und Workshops am Kunstgeschehen beteiligen und mit verschiedenen Medien und Materialien im Museum experimentieren können. Die Ausstellung entsteht dabei durch Partizipation.

Daneben steht eine Installation von Sophie Stephan, die Barrierefreiheit thematisiert und die Zugänglichkeit der Institution Museum hinterfragt. Verschiedenen Facetten des Alter(n)s sollten im Rahmen von Vorträgen und Filmveranstaltungen auf die Spur gegangen werden.

Ziel insgesamt war es, das Museum für Menschen mit kognitiven und körperlichen Einschränkungen zu öffnen, um einen Anstoß für ein Museum für Alle zu schaffen.

Die Coronasituation machte eine Änderung dieser Planung und kreative andere Wege erforderlich. Und führte unter anderem dazu, dass mit dem Projekt „KUNST ERINNERN“ nicht die Besucher*innen zum Museum sondern das Museum zu Besuch kam:

Dafür besuchten Sophie Stephan und Laura Gutschow im April und Mai 2021 erneut das Seniorenhaus in Technitz sowie die DRK Tagespflege in Geringswalde und brachten das Museum gleich mit:

Im Workshop KUNST ERINNERN waren Menschen mit Demenz sowie Interessierte eingeladen, eine Ausstellung zu besuchen, welche aufgrund der Corona-Pandemie nicht für Gruppen zugänglich ist.  Gemeinsam konnten Exponate und Fotografien der Ausstellung gesehen, erfühlt und beschnuppert werden. Die Ausstellung hat den besonderen Charakter, dass Besucher_innen die Arbeiten bestaunen und eigene Ideen über verschiedene Stationen einbringen können. So gibt es eine Schreibmaschine sowie ein Audio-Aufnahmegerät, um Erinnerungen zu  verewigen oder einen interaktiven Stickrahmen, welcher nur zu Zweit bedient werden kann.

Sophie Stephan präsentierte zudem eine Installation "hidden&unsharp" sowie Arbeiten aus den Jahren 2018-2020, welche von Jung bis Alt zum Thema "Alter(n)" entstanden sind.

Anschließend hatten die Workshop-Teilnehmenden mit Demenz die Möglichkeit, ein Memorie aus mitgebrachten Fotografien und Kollagen zu gestalten.

 Ein zudem im Rahmenprogramm der Ausstellung „ALTER!? eine Mitmachausstellung für ALLE“ geplanter Vortrag zum Thema „Sexualität im Alter“ von Prof. Dr. Harald Stumpe wurde im Stadtmuseum Döbeln aufgezeichnet und steht digital abrufbar zum Nachhören und -sehen zur Verfügung auf YouTube.

Alle diese Aktivitäten verdeutlichen: Alter(n) hat viele spannende Facetten. Und Erleben und Auseinandersetzung mit Kunst ist weder an das Lebensalter noch an Museen und Galerien gebunden. Kulturelle Teilhabe kann auf ganz verschiedene Weise erfolgen, Erinnerungen und Miteinander anregen, Potentiale fördern und neue Erfahrungen ermöglichen.

Text: S. Bartsch (LID)