Projekt Lebensanker Landesinitiative Demenz Sachsen

Lebensanker

Eine Mut machende Fotoausstellung über Menschen mit Demenz und ihre Familien nach der Diagnose

Eine Mut machende Fotoausstellung über Menschen mit Demenz und ihre Familien nach der Diagnose

Was zeigen uns Bilder? Was sehen wir auf den Bildern? Da ist mehr in den Bildern, als unsere Augen wahrnehmen können. Die Bilder dieser Ausstellung sind dafür gute Beispiele, da der Betrachter hier zunächst ganz normale Situationen des Lebens vermutet.

Doch die Mitteilung der Diagnose Demenz ist für viele Betroffene sehr einschneidend. Dass Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen oder Schwierigkeiten im Alltag nun erklärbarer sind, kann für Betroffene und Angehörige erleichternd sein. Doch machen fehlende Heilungschancen und das Wissen, dass die Erkrankung langsamer oder schneller weiter fortschreiten wird, vor allem eines: Angst.

Der Radebeuler Gesprächskreis „Lebensanker“ schafft die Möglichkeit, diese emotionale Anspannung bei Betroffenen und ihren Angehörigen zu lindern. Alle 14 Tage treffen sich Menschen, die eine Demenz-Diagnose erhalten haben. Sie sprechen über ihre aktuelle Situation und ihren Umgang mit der Erkrankung, setzen Gedächtnistraining um und machen sich gegenseitig Mut.

Immer geht es dabei auch darum, das zu benennen und sich daran zu orientieren, was im Alltag Freude und Kraft bereitet hat – und immer noch bereitet! Die Ausstellung zeigt, dass nicht die Erkrankung im Vordergrund steht, sondern das gemeinsame Erleben und die Verbundenheit zu den eigenen Ankern im Leben, die Kraft für den Alltag geben.

Frau G. berichtet von ihrer Reiselust. Früher ist sie oft vereist, am liebsten mit ihrem Partner oder mit einer Freundin. Heute lebt sie allein. Wenn ihre Familie sie mit in den Urlaub nimmt, geht es ihr gut.

Herr H. malte ein Bild für seinen 30jährigen Enkel, der leidenschaftlicher Skifahrer ist. Eng ist auch die Verbindung zwischen den beiden Männern.

Mit leuchtenden Farben entstanden beim Ausdrucksmalen kleine Kunstwerke, die den Angehörigen zeigen, wie viel Potential trotz Krankheit vorhanden ist.

Frau V. hat Sorge, ihren Mann mit ihren Demenzsymptomen zu sehr zu belasten. Herr V. hat Sorge, aufgrund der eigenen Erkrankungen nicht mehr lange genug für seine Frau da sein zu können. Mutig und in großer Verbundenheit stellen sie sich der Situation. Bei den allerersten Anzeichen von Vergesslichkeit drängte Frau V. auf die Diagnosestellung und eine gute Therapie. Bei einer Kur im Alzheimer Therapiezentrum lernte sie die Zauberharfe kennen und fand große Freude am Spielen.

Früher hatte Herr H. das Sagen in der Familie. Durch die Erkrankung hat seine Frau immer mehr Verantwortung für beide übernommen. Das hat sie stärker gemacht. Neben seiner Demenzerkrankung hat Herr H. starke körperliche Schmerzen, denen er am liebsten entfliehen möchte.

Herr und Frau M. sind Experten beim Pferderennen. Sie kennen noch heute alle Rennbahnen, Derbytermine, Ställe, Trainer und Jockeys. Früher waren sie jedes Wochenende unterwegs. Das Wetten gehört dazu. Am meisten jedoch liebt der ehemalige Kapitän die Fischbrötchen an der Rennbahn. Auch mit einer Demenz-Diagnose hat das Leben für ihn noch viele schöne Seiten.

Der feste Glaube und die Lust zum Singen zählen zu den Lebensankern von Frau G. Zu besonderen Gelegenheiten, wie goldenen Hochzeiten, singt sie immer noch Solo, wenn ihre Freundin sie an der Orgel begleitet.

Auch Frau B. musste lernen, schrittweise immer mehr Hilfe von ihrem Mann anzunehmen. Offenheit und Vertrauen sind die Grundlage für ein Gelingen der letzten gemeinsamen Lebensphase. „Wir können noch so viel“ und „Wir machen ganz bewusst Dinge, die uns gut tun“ sind Aussagen der Teilnehmenden und ihrer Familien. Die Erkrankung ist nun nach der Diagnose eine Facette des Lebens. Durch die Auffrischung gemeinsamer Erfahrungen, durch die Verbundenheit in der Familie, die Beibehaltung lieber Gewohnheiten und Hobbys wird ein Anker ausgeworfen, der trotz allem Normalität ermöglicht.

Projektleiterin Eva Helms und die Fotografin Sibylle Kölmel begleiteten Menschen mit der Diagnose Demenz sechs Monate lang und verbrachten auch einige intensive gemeinsame Tage bei einer Freizeit für Betroffene und Angehörige in Schmochtitz bei Bautzen. Entstanden ist die Dokumentation „Lebensanker“, die den Alltag der Teilnehmenden einfängt und Momente der Verbundenheit mit den eigenen Kraftquellen zeigt.

Unser Dank gilt den Betroffenen und Angehörigen, die mit diesem Projekt vertrauensvoll Einblick in Ihre Situation und Lebenswelt geben, ebenso allen weiteren Beteiligten, die dieses Projekt ermöglicht und unterstützt haben.

Zwölf Bilder des Fotoprojektes wurden für die Fotoausstellung „Lebensanker – Menschen mit Demenz und ihre Familien nach der Diagnose“ ausgewählt. Die Landesinitiative Demenz Sachsen e.V. stellt die Ausstellung interessierten Vereinen als Leihgabe zur Verfügung.

Text: Eva Helms; Fotos: © Sibylle Kölmel

Leihgebühr:

  • Mindestleihdauer 2 Wochen
  • 50,00 Euro/Woche
  • zzgl. Transportkosten bzw. Selbstabholung

Ansprechpartnerin

 

Bianka Hammer
Projektmitarbeiterin
Mail b.hammer@landesinitiative-demenz.de