Kann gezieltes kognitives Training dazu beitragen, das Risiko für eine Demenzerkrankung zu verringern? Eine große US-amerikanische Langzeitstudie mit über 2800 Personen ab 65 Jahren ist dieser Frage über einen Zeitraum von 20 Jahren nachgegangen.
Die Teilnehmenden wurden zufällig in vier Gruppen eingeteilt. Drei Gruppen erhielten jeweils ein strukturiertes kognitives Training in kleinen Gruppen über fünf bis sechs Wochen mit bis zu zehn Sitzungen:
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Geschwindigkeitstraining: Übungen zur schnellen visuellen Informationsverarbeitung, etwa das rasche Erkennen relevanter Reize bei zunehmender Komplexität.
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Gedächtnistraining: Strategien zur Verbesserung des verbalen Erinnerns, z. B. durch Eselsbrücken.
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Denktraining (Reasoning): Aufgaben zum Erkennen von Mustern und logischen Reihenfolgen.
Eine vierte Gruppe erhielt kein Training.
Manche Teilnehmenden der drei Trainingsgruppen absolvierten zusätzlich sogenannte Auffrischungseinheiten („Booster-Sitzungen“) nach 11 und 35 Monaten. Diese Wiederholungen waren zentraler Bestandteil des Studienkonzepts.
Entscheidend: Wiederholung macht den Unterschied
Nur diejenigen Personen, die am Geschwindigkeitstraining teilnahmen und zusätzlich die Auffrischungseinheiten absolvierten, hatten ein signifikant geringeres Risiko, im Laufe der folgenden 20 Jahre eine Alzheimer- oder andere Demenzerkrankung zu entwickeln.
Teilnehmende, die das Training nicht vollständig durchführten oder keine Auffrischung erhielten, profitierten hingegen nicht messbar. Auch für das Gedächtnis- oder Denktraining zeigte sich kein statistisch nachweisbarer Effekt auf das spätere Demenzrisiko.
Warum gerade Geschwindigkeit?
Fachleute vermuten zwei mögliche Erklärungen:
Zum einen könnte ein "Dosis-Effekt" wirken: mehr Training = mehr Wirkung. Zum anderen passen sich die Aufgaben im Geschwindigkeitstraining zunehmend dem Leistungsniveau der Teilnehmenden an. Diese adaptive Schwierigkeit könnte die neuronale Plastizität, also die Anpassungsfähigkeit des Gehirns, besonders wirksam stimulieren.
Frühere Auswertungen der Daten zeigten außerdem, dass Teilnehmende des Geschwindigkeitstrainings seltener Verkehrsunfälle verursachten und länger aktiv am Straßenverkehr teilnehmen konnten.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Ergebnisse legen nahe, dass regelmäßig wiederholtes, adaptives Training der Verarbeitungsgeschwindigkeit ein vielversprechender Baustein in der Demenzprävention sein könnte. Natürlich ist das keine Garantie, sondern eine statistische Risikoreduktion in einer großen Gruppe.
Die kontinuierliche Aktivierung des Gehirns über die Zeit hinweg kann also das Risiko senken, an einer Demenz zu erkranken.
Text in Anlehnung an Veröffentlichung von Coe et al. (2026)
Bildquelle: AbsoluteVision von Unsplash
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