Projekt Lebensanker Landesinitiative Demenz Sachsen

Lebensanker

Eine Mut machende Fotoausstellung über Menschen mit Demenz und ihre Familien nach der Diagnose

Die Mitteilung der Diagnose Demenz ist für viele Betroffene ein starker Einschnitt im Leben. Einerseits sind Vergesslichkeit, Wortfindungsstörungen oder Schwierigkeiten im Alltag plötzlich erklärbar. Andererseits machen fehlende Heilungschancen und die Aussicht auf das weitere Fortschreiten der Erkrankung vor allem eines: Angst.

Dem wollten die Teilnehmenden des Radebeuler Gesprächskreises „Lebensanker“ etwas entgegensetzen. Hier treffen sich Menschen, die eine Demenz-Diagnose erhalten haben. Sie machen Gedächtnistraining, sprechen über ihre aktuelle Situation und ihren Umgang mit der Erkrankung und machen sich gegenseitig Mut.

Frau G. berichtet von ihrer Reiselust. Früher ist sie oft vereist, am liebsten mit ihrem Partner oder mit einer Freundin. Heute lebt sie allein. Wenn ihre Familie sie mit in den Urlaub nimmt, geht es ihr gut.

Herr H. malte ein Bild für seinen 30jährigen Enkel, der leidenschaftlicher Schifahrer ist. Eng ist auch die Verbindung zwischen den beiden Männern.

Mit leuchtenden Farben entstanden beim Ausdrucksmalen kleine Kunstwerke, die den Angehörigen zeigen, wie viel Potential trotz Krankheit vorhanden ist.

Frau V. hat Sorge, ihren Mann mit ihren Demenzsymptomen zu sehr zu belasten. Herr V. hat Sorge, aufgrund der eigenen Erkrankungen nicht mehr lange genug für seine Frau da sein zu können. Mutig und in großer Verbundenheit stellen sie sich der Situation. Bei den allerersten Anzeichen von Vergesslichkeit drängte Frau V. auf die Diagnosestellung und eine gute Therapie. Bei einer Kur im Alzheimer Therapiezentrum lernte sie die Zauberharfe kennen und fand Spaß am Spielen. Ihre Familie kaufte ihr das Instrument.

Früher hatte Herr H. das Sagen in der Familie. Durch die Erkrankung hat seine Frau immer mehr Verantwortung für beide übernommen. Das hat sie stärker gemacht. Neben seiner Demenzerkrankung hat Herr H. starke körperliche Schmerzen, denen er am liebsten entfliehen möchte.

Herr und Frau M. sind Experten beim Pferderennen. Sie kennen noch heute alle Rennbahnen, Derbytermine, Ställe, Trainer und Jockeys. Früher waren sie jedes Wochenende unterwegs. Das Wetten gehört dazu. Herr M. hat die richtigen Kreuze auf dem Tippschein gesetzt. Der ehemalige Kapitän liebt vor allem die Fischbrötchen an der Rennbahn. Auch mit einer Demenz-Diagnose hat das Leben für ihn noch viele schöne Seiten.

Der feste Glaube und die Lust zum Singen gehören zu den Lebensankern von Frau G. Zu besonderen Gelegenheiten, wie goldenen Hochzeiten, singt sie immer noch Solo, wenn ihre Freundin sie an der Orgel begleitet.

Auch Frau B. musste lernen, schrittweise immer mehr Hilfe von ihrem Mann anzunehmen. Offenheit und Vertrauen sind die Grundlage für ein Gelingen der letzten gemeinsamen Lebensphase. „Wir können noch so viel“ und „Wir machen ganz bewusst Dinge, die uns guttun“ sind Aussagen der Teilnehmenden und ihrer Familien.

Projektleiterin Eva Helms und die Fotografin Sibylle Kölmel begleiteten die Menschen sechs Monate lang. Entstanden ist eine Dokumentation, die den Alltag der Teilnehmenden einfängt und Momente der Verbundenheit mit den eigenen Kraftquellen zeigt.

Zwölf Bilder des Fotoprojektes, das weitergeführt werden soll, wurden für die Fotoausstellung „Lebensanker – Menschen mit Demenz und ihre Familien nach der Diagnose“ ausgewählt. Die Landesinitiative Demenz Sachsen e.V. – Alzheimer Gesellschaft stellt die Ausstellung interessierten Vereinen als Leihgabe zur Verfügung.

 

Text: Eva Helms; Fotos: © Sibylle Kölmel