Landesinitiative bei Tagung „Architektur für Menschen mit Demenz“ vertreten

Architektur hat eine besondere Bedeutung für Menschen mit Demenz. Viele Betroffene können ihren Aufenthaltsort in Klinik oder Pflegeheim nicht selbstständig verlassen und haben nur wenige Möglichkeiten, diesen ihren Vorstellungen anzupassen oder zu gestalten. Sie sind auf eine bauliche Umwelt angewiesen, die ihre Anforderungen berücksichtigt. Auch Krankenhäuser sehen sich einer steigenden Anzahl von Patientinnen und Patienten mit demenziellen Veränderungen gegenüber. Dabei ist die Demenz häufig nicht der erste Anlass für einen Krankenhausaufenthalt, sondern andere Ereignisse und Erkrankungen, wie beispielsweise die Behandlung nach Stürzen und Verletzungen. Um eine angemessene Versorgung dieser Patienten zu gestalten, sind sowohl der Blick auf räumliche Gestaltungskonzepte, als auch auf pflegerische und soziale Betreuungsmöglichkeiten zu richten. Neue Ansätze und Konzepte sind nötig.

Die Tagung „Architektur für Menschen mit Demenz – Konzepte für das Krankenhaus und den Übergang in die Häuslichkeit“, die in Kooperation zwischen dem Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e. V. (VSWG), der Technischen Universität Dresden (TU Dresden) und Landesinitiative Demenz Sachsen e.V. – Alzheimer Gesellschaft am 7. Mai 2019 ausgerichtet wurde, nahm verschiedene Perspektiven ein und betrachtete den Menschen in seiner Umwelt, der gebauten wie sozialen. Der Bogen spannte sich von der Planung demenzsensibler Akutkrankenhäuser über eine interdisziplinäre demenzsensible Zusammenarbeit in der Notaufnahme bis hin zum Übergang in die häusliche Versorgung mit Möglichkeiten der Unterstützung im Wohnumfeld. Mehr als 140 Teilnehmer folgten der Einladung in die JohannStadthalle Dresden.

Foto: G. Dubau, LiDS

Eva Helms, Vorsitzende der Landesinitiative Demenz Sachsen e.V., stimmte mit ihrem Grußwort auf die Tagung ein. Zwei persönliche Beispiele untermalten die Thematik von Baulichkeit, Farbigkeit und mögliche Herausforderungen bei Menschen mit Demenz anschaulich. Cordula Hoffmanns von der Robert-Bosch-Stiftung Stuttgart und Dr. Axel Viehweger, Vorstand des VSWG taten es in ihren Grußwörtern gleich.

Demenz als ein alle Lebensbereiche betreffendes Thema berührt viele Bereiche der Versorgungsstrukturen und ganz unterschiedliche Professionen und Akteure. Kommunikation und abgestimmtes, gemeinsames Handeln werden häufig vor besondere Herausforderungen gestellt. Dies griff die Tagung auf, indem sie im Zusammenwirken von Wissenschaft und Praxis, in Kooperation von Akteuren aus ganz unterschiedlichen Handlungsfeldern, gestaltet wurde: Die TU Dresden steht für den Bereich der Architektur, im speziellen Feld der Sozial- und Gesundheitsbauten, der VSWG als Partner für den Bereich des Wohnens und die Landesinitiative Demenz Sachsen e.V. als Dachverband von Selbsthilfe- und Angehörigengruppen, regionalen Alzheimer-Gesellschaften, Vereinen, Initiativen und engagierten Personen im Themenfeld Demenz für den vornehmlichen Blick auf soziale Prozesse und Versorgungsnetzwerke.

Thematisiert wurden unter anderem neue, innovative Planungs- und Gestaltungsansätze und Fragen danach, wie Räume und Prozesse miteinander in Einklang gebracht werden. Anpassungen der Wohnung und des Lebensraumes, insbesondere zu Fragen der Sicherheit, erhöhen die Lebensqualität demenzerkrankter Menschen und erleichtern Angehörigen die Pflege und Versorgung.

„Wesentliche Ziele einer demenzsensiblen baulichen Gestaltung sind die Förderung der Selbstständigkeit der Patienten und Bewohner, die Anregung zur Mobilität und Aktivität, um kognitive Fähigkeiten wie auch physische Funktionalität zu erhalten, physische und emotionale Sicherheit sowie die Unterstützung der Pflegekräfte bei der optimalen Ausübung ihrer Arbeitsprozesse“, fasste Prof. Dr.-Ing. Gesine Marquardt von der TU Dresden zusammen.

„Unerwartet und akut: Interdisziplinarität und Demenzsensibilität in der Notaufnahme“ lautete der Titel des Vortrages von Prof. Dr. med. Vjera Holthoff-Detto von den St. Hedwig Kliniken Berlin, die aus der Praxis berichtete: „Die Behandlung in der Notaufnahme ist eine besondere Belastung für Menschen mit Demenz. Menschliche Zuwendung, klinische Expertise und räumliche Gestaltung sind zentrale Voraussetzungen, die in der unerwarteten Situation Patienten beruhigen und die Behandlung unterstützen können.“

Foto: G.Dubau, LiDS

Die Gestaltung des Überganges vom Krankenhaus in die Häuslichkeit mit einem möglichst langen Erhalt der selbstständigen Lebensführung betrachtete Dipl. Psych., M.Sc. Geront. Steffi Bartsch von der Landesinitiative Demenz Sachsen e.V. und betonte: „Demenz betrifft vielfältige Lebensbereiche und kann nur im Zusammenwirken über unterschiedliche Versorgungsbereiche und Akteure hinweg aufgegriffen werden.“ Neben dem Aufzeigen der großen damit verbundenen Herausforderungen wurden vielfältige Beispiele und Lösungsansätze für ein solches hilfreiches Zusammenwirken dargestellt.

In den einzelnen Pausen konnten die Teilnehmer der Tagung ihre Fragen am Stand der Landesinitiative Demenz Sachsen e.V. beantwortet bekommen oder sich mit entsprechenden Infomaterialien zum Thema Demenz und Krankenhaus und im Allgemeinen versorgen.
Notfalldosen hatten die Mitarbeiter der Landesinitiative für jeden Teilnehmer bereitgestellt. Dieses Hilfsmittel ist im Haushalt im Bedarfsfall ein guter Kommunikationsgegenstand, um besonders bei Menschen mit Demenz seitens der Rettungskräfte entsprechend zügig wichtige Informationen parat zu haben.
Am Stand von Hands of Dementia war es den Tagungsgästen möglich, in eine mögliche Gefühlswelt von Menschen mit Demenz einzutauchen. Wer sich handfest an Farben und Bodenbelägen interessiert, war bei den Vertretern von Caparol Farben Lacke Bautenschutz GmbH und Forbo Flooring Gmbh richtig. Der ein und andere erhielt am Stand von igb Konzept AG Informationen über Gestaltungsmöglichkeiten von Lebensräumen für betreuungsbedürftige Menschen.

Die Tagung wurde geschlossen mit einem Blick ins Innere der Familie, in die Veränderungen, die Demenzerkrankungen auch in familiäre Strukturen und das Miteinander bringen. Zu diesem Blick lud der bekannte Filmemacher David Sieveking mit seinem Film „Vergiss mein nicht“ die Besucher ein und sorgte für rege Gespräche im Anschluss.

(Quelle VSWG, Gerold M. Dubau)